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Essen 2009

Geposted von: Redaktion D MOTOR, am 4 Dezember 2009

Dmotor_126Die Essen Motorshow hat wieder ihre Pforten geöffnet. 

Im Gegensatz zu Lina habe ich aber keine so eindeutige Meinung zur größten Tuning Messe der Welt. Ich bin zwar jedes Jahr da, aber dann frage ich mich auch jedes Mal, warum ich mir das eigentlich antue. Nach einer Stunde in den Essener Messehallen bricht regelmäßig die pure Verzweifelung über mich hinein. Es ist einfach viel zu voll. Das ist ja grundsätzlich auf jeder Messe so. Aber in Essen musst du ab dem Mittag dann nicht mehr nur Menschen sondern riesigen GFK-Anbauteilen ausweichen, die echt in Massen durch die Gegen geschleppt werden. Derart genervt muss man dann auch feststellen, dass das Publikum zu Teilen an die ländlichen Besucher von Großraumdiscos erinnert – mal lieb formuliert. 

Das größte Problem, was ich mit der Motorshow in Essen habe, ist allerdings die stetige Verweigerung der Innovation. Die tiefer gelegten Polos standen schon da, als ich selbst noch so ein Teil gefahren bin. Damals bin auch ich, wie ein Kaputter durch den Teilemarkt gehetzt. Auf der Suche nach Klarglasscheinwerfern für meinen 6N. Lachhaft! Aber immer noch echt stilvoll im Vergleich zu dem Scheiß, was sich die Kids heute in die Front schrauben. Mit den neusten Audi-LED-Abklatsch-Leuchten kann man seinen durchgerosteten Opel Kadett in einen blitzsauberen Weihnachtsbaum verwandeln. Auch bei einem K&N-Sportluftfilter musste ich damals eiskalt zugeschlagen. Damit mein kleiner gelber VW, seine beängstigen 60 PS auch ja recht grimmig in die Welt posaunen kann. Ich war im Übrigen auch wirklich davon überzeugt, dass solche Spielerrein leistungssteigernd sind. 

Das alles scheint schon eine Million Jahre zurück und trotzdem hat sich auf der Essen Motorshow nicht viel geändert. Immer noch gibt’s den ganzen Rieger-Mist, immer noch kommen auf jede Felge drei halbnackte Hostessen. Versteht mich nicht falsch. Ich kann da schon was mit anfangen. Aber hundertmal die Stunde, „Willst’de was gewinn’?“ , macht echt keinen Spaß! Besonders bitter ist es, wenn man durch einen menschenleeren Raum mit alten Rennsportraritäten schlendern kann, weil sich ALLLE(!) die K&W Stripshow reinziehen. 

Da kann ich mich über einen pistatiengrünen 3er Golf mit Arschgeweih-Trible auf der Heckscheibe fast gar nicht mehr aufregen. Wenn der arme Junge einmal über die Essen Motorshow läuft, muss der ja zwangweise das Gefühl haben, dass er mit dem Teil im Trend liegt. 

Die kleinen Feinheiten der Szene sind doch das Entscheidende. Hot Rods, Oldtimer-Tuning, Rennklassiker, Driftszene etc. Mit Driftszene meine ich im Übrigen nicht mit einem prolligen E30 im Kreis fahren, sondern die Stars der US-Formula Drift mit richtigen Driftautos. 

Der Zug einer bauernhaften Interpretation des Themas Fast & Furious ist eben abgefahren. Und die Initiatoren der Messe sollten mal schauen, ob sie die kleinen Tuningminderheiten mit wahrem Lifestyle nicht etwas größer aufbauen. 

Weg mit dem Ebay-Basar, weg mit dem übertrieben HiFi-Kram. Wenn das nämlich so weiter geht ist Essen schon 2010 nur noch die zweitgrößte Tuningshow. 

Aber vielleicht ist kleiner ja feiner.


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Kommentare

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Mike

Genau das ist es, was ich (inzwischen 42 und "Alterspräsident" eines Vereins "Autoverrückter", die sich eigentlich mal, lang vor den Fast&Furious Filmen mit asiatischen Sportwagen beschäftigt haben) dem "Nachwuchs" gesagt habe, warum ich keine gruppendynamische Veranstaltung in Form eines Clubausfluges dorthin organisiert habe - und das obwohl wir alle aus dem Umland von Essen kommen.

Das Auftauchen von immer mehr "Baumarkt-EBucht-Möchtegern-Tuning", welches teilweise noch durch Bauteile, die in keinster Form irgendwelchen Vorschriften entsprechen, und schon beim Ansehen zerbröseln oder eben nicht, wenn sie es aber sollten, verschlimmbessert wird, sowie die an jeder Ecke vorhandenen "Hifi-Aussteller", welche dann guten Klang versprechen und teilweise Lautsprecher für 19 Euro raushauen, die maximal dafür geeignet sind, "Bumm" zu machen, aber auch wirklich nix sonst, wird von mir schon seit Jahren beobachtet und hat dazu geführt, dass ich schon lange nicht mehr jedes Jahr dorthin gehe. Denn ich kenne die Ausstellung noch aus Zeiten, wo die Veranstaltung Jochen Rindt Show benannt war (nach dem verstorbenen Rennfahrer).

Daher habe ich meinen "jungen" Wilden im Verein dazu geraten, das Geld anders anzulegen, wobei auch das Zurschaustellen der silikongestärken Damen, der einschlägigen Tuner, die in den letzten Jahren nur dadurch etwas ruhiger wurden, da der "Urheber und Erfinder" dieser Shows kurzweilige "Schwierigkeiten" hatte. Ansonsten finde ich es, neben dem nervigen Gedränge im Umfeld dieser Shows, eher belustigend, die ganzen "Jungs" stehen zu sehen, die wirklich meinen, mit ihren so getunten Autos, diese "Frauen" abzubekommen....nun ja...aber vielleicht liegt es nur am "Blutsturz", der eintritt....

Ich bin sicherlich kein Vertreter der Fraktion, dass Tuning nur mit Edelteilen oder auf dem Level von Brabus und Co. stattfinden sollte - aber eine Ausstellung, wo es anscheinend wirklich nur noch um "Geiz ist geil" oder um "Geiz" und "Geilheit" geht, ist eindeutig mit den Eintrittpreisen zu teuer bezahlt....und dem Autor muss ich zustimmen, es nervt ab Mittags von Billigspoilern fast erschlagen zu werden, wenn die "Träger" dieser Dinger, wieder mal vom Weg abgelenkt, weil sie einen kurzen Rock (oder war es nur ein Gürtel) oder einer prall gefüllten Bluse aufmerksamkeitstechnisch erlegen sind, diese fast um die Ohren hauen....

Aber um mal eine Lanze zu brechen: Die andere "grosse Tuningshow", also die Tuningworld Bodensee ist da auch nicht besser...ich habe alle bisher "mitgemacht", teilweise auch, weil ein Bekannter dort Aussteller war, und muss sagen, das Niveau und die Art und Weise der Ausstellungen nähert sich extrem an....

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