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Mario Gunsch

Montag, 13. Juli 2009

Aufreibend

Aufreibend_01 Hallo Leute!

Einführend kann ich mich auch nur entschuldigen und Linas Worte im letzten Blog voll bestätigen. Auch für mich vergehen die Wochen rasend schnell und im Nu ist Freitag. Kommen zu der üblichen Arbeit noch Problemfälle dazu, wirds eng.

Heute erzähle ich von einem Auto, das unter normalen Bedingungen einen seidenweichen Motorlauf hat und wenn man das sagen kann, wie Musik klingt. Unser Patient war ein Citroen CX 2.5 GTI Turbo II. Für die unter euch, die das Fahrzeug kennen, wissen was ich meine.

Der besagte Wagen kam mit einem fürchterlichen Klappern an und jeder vermutete, gleich rumst es und uns fliegt der Motor um die Ohren. Klassischer Motorschaden, wobei die Frage gestellt werden darf, was ist eigentlich ein klassischer Motorschaden? In der letzten Zeit waren wir öfter damit beschäftigt Operationen am offenen Herzen durchzuführen, als die sonst üblichen Inspektionen oder Wartungsbedingte Reparaturen wie Bremsen erneuern etc. und verunfallte Autos  zu richten.

Also wie immer rein das Schmuckstück, rauf auf die Bühne und Motor raus. Eine Instandsetzung ist im eingebauten Motorzustand nicht möglich, weil einfach zu viel an dem Motor dran ist, das weggebaut werden muss und schlicht der Platz dafür nicht da ist. Wenn sich Motor ausbauen hier so einfach liest, sei dazu angemerkt, dass er das keinesfalls ist. Während der Reparatur sah es in der Werkstatt aus wie ein komplettes Ersatzteillager. Überall Anbauteile, nicht unbedingt das Chaos, aber alles muss ja auch wieder ran und Kommentare am Schluss wie: wofür war denn noch mal die Schraube, was war das für eine Haltestrebe, wollten wir uns sparen.

Doch letztlich sollten noch Teile dazu kommen, denn den Motor samt Getriebe raus zunehmen war ja nur die Hälfte, zerlegen mussten wir den auch noch, was bedeutete, eine weitere Garnitur folgte. Ich muss euch nicht den kompletten Ablauf schildern, aber jeder Schrauber der an seinen Schätzchen schon mal Hand anlegte, kann nachvollziehen, wie das hier aussah.

Als endlich die Ölwanne ab war, wir quasi zum Innern vorgedrungen waren und die Kurbelwelle freilegten, fanden wir die Ursache für das Klappern. Die Kurbelwelle, an der die Pleuelstangen für die Kolben montiert sind, wird durch Schalen gelagert, die unter anderem für eine reibungslose Drehbewegung sorgen sollen. Wir wollen nicht von zehntel Millimeter reden, obwohl gerade dort kleinste Abweichungen entscheidend sind, muss man sich vorstellen, was es bedeutet wenn aus einer ca. 1,5 mm dicken Aufreibend_02 Schale nur noch Blechchen wird, das nicht viel stärker ist als Alufolie. (s. Bild rechts)

Glücklicherweise nahm die Welle selbst keinen Schaden, so das diese nicht erneuern werden musste und die Reparatursumme nicht noch mehr erhöhte.

Nach Montage der neuen Schalen, überall an den beweglichen Teilen ein Tröpfen Öl ran und die korrekte Einhaltung der Befestigungsdrehmomente, folgte der Zusammenbau. Langsam nahm die Werkstatt wieder das übliche Aussehen an und zu guter letzt folgte das finale Anwerfen des Triebwerks.

Schlussendlich ist der Besitzer seine guten alten CX 2.5 GTI Turbo II wieder unterwegs und genießt das typische Surren mit Freude.

Liebe Freunde, wünsche euch ähnliche Klänge aus euren Motorraum und allzeit gute Fahrt.

In diesem Sinne,

Euer Mario

Mittwoch, 08. Juli 2009

Original oder Fälschung

Mario2_126 Einer meiner letzten Aufträge hier in der Werkstatt war die Reparatur bzw. Instandsetzung der Bremse eines Pkw.

Der etwas ratlose Kunde, der sicher nicht zu der Fraktion gehört, an jeder Ampel der erste sein zu wollen, der losfährt und den man an der nächsten Ampel bei rot wieder sieht, demzufolge die Bremse übermäßig nutzt, beschrieb mit zunehmender Fahrdauer, eine abnehmende Bremsleistung und ein Bremspedal, dass sich immer mehr nach unten treten lässt. Ratlos war er, weil die Bremse vor kurzem erst erneuert worden ist. Auf meine Frage wer denn die Reparatur durchführte und ob er nicht da noch mal hinfahren wolle um das Kontrollieren zu lassen, bekam ich nur ein verneinendes: “da fahr ich nicht mehr hin“ als Antwort.

Nach der Verabschiedung und wir kümmern uns um das Problem hoben wir das Auto mit der Hebebühne hoch  und nahmen die Räder ab. Zu Gesicht bekamen wir blau eingelaufene Bremsscheiben und auch Verbrennungsgeruch stieg in unsere Nasen. Untypisch für neu montierte Teile, vorausgesetzt, diese wurden richtig verbaut und der Fahrer hatte seinen Fuß nicht nur auf dem Bremspedal.
Bei der Demontage stockte uns nicht der Atem, aber glücklicher Weise sieht man so etwas nicht alle Tage!!
Die neuen Bremsbeläge, (auch die Scheibe waren neu) sind nach ca. 5000 km beinahe runter gefahren. Die Oberfläche sah ohne Übertreibung aus wie eine Raspel und teilweise waren sogar Stücke raus gebrochen.

Selbst wenn Materialfehler hin und wieder vorkommen, die Bremse übermäßig beansprucht wurde, was nicht der Fall war, beides konnten wir ausschließen, hatten wir hier ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn minderwertige Qualität zu Lasten der Sicherheit eingesetzt wird. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie man reagiert, wenn auf der Autobahn das Stauende erkannt wird, aber keine Möglichkeit mehr vorhanden ist, das Auto zum Stehen zu bringen.

Ich möchte Ersatzteile aus dem Zubehör nicht in Frage stellen, wenn wir sparen können ist das schon okay, grundsätzlich bestehen wohl keine Bedenken. Wenigstens aber sollen alle diese Teile, die wie man in unserem vorliegenden Fall sieht, Kontrollen standhalten und auch unterzogen werden.

Immer wieder und auch immer öfter steht die Bezahlbarkeit der Reparatur im Vordergrund und damit auch die Bezugsquellen der Ersatzteile.
Es geht nicht darum, den Moralapostel zu spielen, aber spätestens bei der Bremsanlage sollten keine Experimente gemacht werden, also ‚Finger weg für die die Laien sind und soweit man das kontrollieren kann, besteht bei der Montage auf Qualitätsprodukte.

Noch mal: Ich möchte keine Ängste schüren, der gut sortierte Fachhandel verkauft sicher vernünftige Sachen, aber es gibt eben auch Ausnahmen und Bremsbeläge für 5€, können nur eins sein, BILLIG. Und das im schlimmsten Fall, an den keiner von uns denken möchte noch nicht mal!

Abschließend zu diesem Thema, was sicherlich nur Ansatzweise besprochen wurde, haben wir unserem „Patienten“ neue Originalteile verpasst und auf die Reise geschickt.

Liebe Freunde der automobilen Fahrkultur, gute Fahrt und gute Ankommen.

Euer Mario  

Dienstag, 26. Mai 2009

Womit „befeuern“?

Mario2_126 Nachdem ich wie jeden morgen von der Tankstelle gegenüber meine Tageszeitung holte, brachte ich mir auch gleich Arbeit mit.

Heute eher selten geworden, dennoch passiert es hier und da immer noch: Vorne unter der Haube werkelt ein Dieselmotor, hinten wird aber fälschlicher Weise  Benzin nachgefüllt. Aufgeregt und ratlos bat mich der Falschtanker um Hilfe. Weil unter Umständen auch ein Motorschaden die Folge bei der falschen Kraftstoffwahl sein könnte, schoben wir das havarierte Fahrzeug in die Halle.


Was früher beinahe regelmäßig der Fall war und wahrscheinlich einigen Werkstätten mit Aufträgen bescherte, ist heute glücklicher Weise selten geworden. Veränderte Einfüllstutzen an Fahrzeugen sollen verhindern, dass die falsch gegriffene Zapfpistole seinen Dienst verrichtet.

Früher als SDI, FSI, CDI, TDCI, TDI, CGI und wie sie alle heißen, noch Fremdwörter in der Motorenentwicklung waren, qualmte das Auto, war leistungslos und blieb irgendwann stehen.
Bei der heutigen Einspritz- und Abgastechnik allerdings, reagieren die empfindlichen Motoren derart sensibel, dass meist größere Reparaturen anstehen, die leider auch recht kostenintensiv sind.

In meinem aktuellen Fall handelte es sich um einen zwei Jahre „alten“ Wagen aus der südlichen Gegend Deutschlands und wie alle anderen modernen Fahrzeuge, hätte ihm das Starten wohl nicht gut getan.
Bedauerlicher Weise bemerkte er seinen Irrtum nicht beim Tanken selbst und konnte noch frühzeitig stoppen, sondern beim bezahlen an der Kasse. Und da es auf Reisen gehen sollte war der Tank brechend voll. Als endlich die Benzin- Diesel- Mischung entnommen war, tauschte ich sicherheitshalber noch den Kraftstofffilter, entlüftete die Anlage und drehte den Schlüssel.

Seinen Urlaub schon in weite Ferne rückend, erklärte mir der besorgte Fahrzeughalter immer wieder, dass es ihm ein Rätsel sei, wie es zu dem Malheur gekommen ist. Neben einigen beruhigenden Worten ging es nun an die Arbeit. Der Tank musste leer gepumpt  werden, das bedeutete Deckel in der Karoserie ab und Tankuhr raus. Vorher aber die sorgsam verstauten Gepäckstücke raus.

Eine gute Fahrt mit auf den Weg gebend, blieb mir dann noch zu wünschen, dass der Urlaub so verläuft, wie verplant: erholsam und entspannend.
 
Liebe Freunde, Diesel für Diesel und Benzin für Benzin!
In diesem Sinne, euer Mario       

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