Aufreibend
Einführend kann ich mich auch nur entschuldigen und Linas Worte im letzten Blog voll bestätigen. Auch für mich vergehen die Wochen rasend schnell und im Nu ist Freitag. Kommen zu der üblichen Arbeit noch Problemfälle dazu, wirds eng.
Heute erzähle ich von einem Auto, das unter normalen Bedingungen einen seidenweichen Motorlauf hat und wenn man das sagen kann, wie Musik klingt. Unser Patient war ein Citroen CX 2.5 GTI Turbo II. Für die unter euch, die das Fahrzeug kennen, wissen was ich meine.
Der besagte Wagen kam mit einem fürchterlichen Klappern an und jeder vermutete, gleich rumst es und uns fliegt der Motor um die Ohren. Klassischer Motorschaden, wobei die Frage gestellt werden darf, was ist eigentlich ein klassischer Motorschaden? In der letzten Zeit waren wir öfter damit beschäftigt Operationen am offenen Herzen durchzuführen, als die sonst üblichen Inspektionen oder Wartungsbedingte Reparaturen wie Bremsen erneuern etc. und verunfallte Autos zu richten.
Also wie immer rein das Schmuckstück, rauf auf die Bühne und Motor raus. Eine Instandsetzung ist im eingebauten Motorzustand nicht möglich, weil einfach zu viel an dem Motor dran ist, das weggebaut werden muss und schlicht der Platz dafür nicht da ist. Wenn sich Motor ausbauen hier so einfach liest, sei dazu angemerkt, dass er das keinesfalls ist. Während der Reparatur sah es in der Werkstatt aus wie ein komplettes Ersatzteillager. Überall Anbauteile, nicht unbedingt das Chaos, aber alles muss ja auch wieder ran und Kommentare am Schluss wie: wofür war denn noch mal die Schraube, was war das für eine Haltestrebe, wollten wir uns sparen.
Doch letztlich sollten noch Teile dazu kommen, denn den Motor samt Getriebe raus zunehmen war ja nur die Hälfte, zerlegen mussten wir den auch noch, was bedeutete, eine weitere Garnitur folgte. Ich muss euch nicht den kompletten Ablauf schildern, aber jeder Schrauber der an seinen Schätzchen schon mal Hand anlegte, kann nachvollziehen, wie das hier aussah.
Als endlich die Ölwanne ab war, wir quasi zum Innern vorgedrungen waren und die Kurbelwelle freilegten, fanden wir die Ursache für das Klappern. Die Kurbelwelle, an der die Pleuelstangen für die Kolben montiert sind, wird durch Schalen gelagert, die unter anderem für eine reibungslose Drehbewegung sorgen sollen. Wir wollen nicht von zehntel Millimeter reden, obwohl gerade dort kleinste Abweichungen entscheidend sind, muss man sich vorstellen, was es bedeutet wenn aus einer ca. 1,5 mm dicken Schale nur noch Blechchen wird, das nicht viel stärker ist als Alufolie. (s. Bild rechts)
Glücklicherweise nahm die Welle selbst keinen Schaden, so das diese nicht erneuern werden musste und die Reparatursumme nicht noch mehr erhöhte.
Nach Montage der neuen Schalen, überall an den beweglichen Teilen ein Tröpfen Öl ran und die korrekte Einhaltung der Befestigungsdrehmomente, folgte der Zusammenbau. Langsam nahm die Werkstatt wieder das übliche Aussehen an und zu guter letzt folgte das finale Anwerfen des Triebwerks.
Schlussendlich ist der Besitzer seine guten alten CX 2.5 GTI Turbo II wieder unterwegs und genießt das typische Surren mit Freude.
Liebe Freunde, wünsche euch ähnliche Klänge aus euren Motorraum und allzeit gute Fahrt.
In diesem Sinne,
Euer Mario






Neueste Kommentare