Japan
Geposted von: Travelingmic, am 19 August 2009 Japan war für mich etliche Jahre lang eine Art Mythos gewesen; ein Land wo man unbedingt einmal hin muss, es aber immer wieder vor sich herschiebt; ein ewiger Traum. Natürlich hätte ich längst hingehen können. Wenn man zehn Jahre als Tattoo Reporter arbeitet, heißt es ja immer wieder: „Wiiieeeeee? Du warst noch NIE in Japan? Das gibt’s doch nicht! Ist doch quasi dein Mekka, oder?“
Nun, eigentlich ja schon. Es ist diese Vorstellung, gefüttert von der Filmindustrie aus Hollywood, Hongkong und Tokyo: Da springen die vollständig tätowierten Yakuza-Gangster hordenweise in wilden Verfolgungsjagden durch Großstadtschluchten, nachts wird man von Geishas mit Drachen Backpiece und zarten Händen in den Schlaf massiert und die beanzugten Arbeitsameisen in der Tokioter Innenstadt verfallen ob meiner zugestochenen Arme in Verbeugungsorgien...
Zu diesen, sagen wir mal leicht mit Vorurteilen belasteten Vorstellung, später mehr.
Aber, ehrlich gesagt, hatte ich Angst vor Japan. Nicht dass es dort gefährlicher wäre als bei den Rebellen in Nepal oder im Bürgerkrieg von Mozambique; aber es war die Angst, enttäuscht zu werden!
Man geht mit gewaltigen Erwartungen irgendwo hin, zu einem Date, in den Urlaub, zum Vorstellungsgespräch; und was passiert? Die Frau ist um einiges weniger zugänglich als letzte Nacht um 3 Uhr morgens in der Bar; das gebuchte Hotel auf Phuket hat offenbar die Bewertungen im Internet selbst geschrieben und im Vorzimmer des Chefredakteurs des „Spiegel“ Magazins findet die Sekretärin deinen Namen nicht auf der Liste...
So ähnlich ging es mir eben mit Japan. Was wäre, wenn die alten Tattoo Meister, die wie vor Hunderten von Jahren von Hand tätowieren und fantastische Ganzkörper Tattoos in die Haut zaubern, schlicht keine Lust hätten, mich zu empfangen? Was würde ich tun, wenn ich überhaupt keine Tattoos zu sehen bekommen würde? Niemanden aus der Szene kennen lerne? Ich spreche kein japanisch; wie sollte ich da Zugang zu den Yakuza Gangs bekommen, die ich treffen wollte? Was war mit den ganzen Verboten? Ich hatte von Kollegen gehört, die am Flughafen wieder zurück geschickt wurden, weil man sie (groteskerweise für europäische) Yakuza gehalten hatte!
Nein nein, da musste vorher schon ein wichtiger Grund auf mich zukommen, bevor ich mir den Traum Japan erfüllte. Ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, sozusagen...
„Wherever I lay my head is home!“


Dirk-Boris Rödel
Heiko Krämer
Jan Burger

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