Traditionelle Tattoos in Indien
Geposted von: Lars Krutak, am 8 September 2009In Südindien portätieren magische Zeichnungen, sogenannte Kolam diese Labyrinthe. Traditionell hatten sie zwei magische Funktionen: Sie gehören zur beschützenden, Fruchtbarkeit und Glück verheißenden Schlangengottheit Naga und sind mit apotropäischen Handlungen verbunden. Das heißt sie treiben Dämonen aus und halten Unheil fern. Kolam werden von den Frauen angefertigt. Sie zeichnen die Muster
Deshalb ist es nicht überraschend, dass viele Tattoo-Motive aus Südindien zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kolam-Mustern gleichen. Auch sie sollten eine Schutzfunktion erfüllen. Die komplexen Tattoos zeigten ein Puzzle. Todesgott Yama und seine Dämonen konnten den Tätowierten nichts anhaben, denn sie schafften es nicht, das Puzzle zuammenzusetzen. Warum? Weil Kolam-Tattoos wie ein Labyrinth angelegt waren, das die Dämonen anzog. Dann verloren sie sich darin und ihre Kraft schwand. Gleichzeitig symbolisierten diese Tätowierungen verschiedene Jenseits-Vorstellungen. In den niedrigeren Kasten und Stämmen war es für Frauen und manchmal auch für Männer obligatorisch, sich tätowieren zu lassen. Sonst mussten sie Qualen im Totenreich fürchten, denn Yamas Dämonen verschlangen nur die Menschen ohne Zeichnung. Die Kolam waren außerdem eine Art Landkarte: Man glaubte, sie würden die Verstorbenen ins Totenreich geleiten und dort auf sicherem Wege mit ihren Vorfahren zusammenführen. (Foto links: Felszeichnung in Pansaimol, Goa)


Dirk-Boris Rödel
Heiko Krämer
Jan Burger

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