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Traditionelle Tattoos in Indien

Geposted von: Lars Krutak, am 8 September 2009
05_kolam Tattoos (gudna auf Hindi) sind in Indien ein alter Brauch – wie alt ist allerdings bis heute ein Mysterium. Ein Hinweis findet sich vielleicht im Vergleich der Petroglyphen aus verschiedenen Labyrinthen zu Tattoos mit ähnlichen Motiven. Beispiele dafür sind kürzlich entdeckte Felszeichnungen, die vorläufig auf die Zeit von 2500 v. Chr. geschätzt werden am Flussufer von Pansaimol, Goa. Sie zeigen ein in Stein geschnittenes Labyrinth. Ein ähnliches Labyrinth von 1000 v. Chr. befindet sich auf einem Großsteingrab in Padugla, in den Nilgiri Hills.  (Foto: Kolam-Tattoo Süd-Indien)

In Südindien portätieren magische Zeichnungen, sogenannte Kolam diese Labyrinthe. Traditionell hatten sie zwei magische Funktionen: Sie gehören zur beschützenden, Fruchtbarkeit und Glück verheißenden Schlangengottheit Naga und sind mit apotropäischen Handlungen verbunden. Das heißt sie treiben Dämonen aus und halten Unheil fern. Kolam werden von den Frauen angefertigt. Sie zeichnen die Muster 05_nilgiri freihändig mit Kalk, Reismehl oder andere pulverförmigen Stoffen. Und zwar vorwiegend in der Dämmerung und insbesondere in der Zeit des Jahres, in der viele Dämonen und Geister unterwegs sein sollen. Kolam sind verschlungene, symmetrische Muster, die aus einer einzigen Linie zu bestehen scheinen und sich zu einem komplexen Labyrinth von Gängen um punktförmige Säulen zusammenfügen. Sie befinden sich meist im Eingangsbereich des Hauses und sollen der Familie Segen und Wohlstand bringen. (Foto rechts: Labyrinth in Padugla, Nilgiri)

Deshalb ist es nicht überraschend, dass viele Tattoo-Motive aus Südindien zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kolam-Mustern gleichen. Auch sie sollten eine Schutzfunktion erfüllen. Die komplexen Tattoos zeigten ein Puzzle. Todesgott Yama und seine Dämonen konnten den Tätowierten nichts anhaben, denn sie schafften es nicht, das Puzzle zuammenzusetzen. Warum? Weil Kolam-Tattoos wie ein Labyrinth angelegt waren, das die Dämonen anzog. Dann verloren sie 05_goapetroglyph sich darin und ihre Kraft schwand. Gleichzeitig symbolisierten diese Tätowierungen verschiedene Jenseits-Vorstellungen. In den niedrigeren Kasten und Stämmen war es für Frauen und manchmal auch für Männer obligatorisch, sich tätowieren zu lassen. Sonst mussten sie Qualen im Totenreich fürchten, denn Yamas Dämonen verschlangen nur die Menschen ohne Zeichnung. Die Kolam waren außerdem eine Art Landkarte: Man glaubte, sie würden die Verstorbenen ins Totenreich geleiten und dort auf sicherem Wege mit ihren Vorfahren zusammenführen. (Foto links: Felszeichnung in Pansaimol, Goa)


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