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Leserfragen Teil 2 | Start | Tätowieren in der Südsee – die Salomonen: Teil II

Blutgesichter und die Rolle der Chin Frauen

Geposted von: Travelingmic, am 19 November 2009
29_frauen-der-chin3 Ähnliche Entstehungslegenden zu traditionellen BodyMods wie den Gesichtstattoos der Chin existieren mysteriöserweise bei etlichen ethnischen Minderheiten auf allen Kontinenten. Nicht nur bei den Giraffenhalsfrauen (ebenfalls aus Myanmar), sondern auch die Kreuztätowierungen der katholischen Bosnierinnen oder die enormen Lippenplatten der Surma in Äthiopien sollen ursprünglich eingeführt worden sein, um die weiblichen Stammesmitglieder vor fremden Männern zu „schützen“.

Eine Erklärung für diese Übereinstimmungen lässt sich vielleicht aus der sozialen Funktion derartiger BodyMods finden.

Es handelt sich fast immer um Initiationsriten, in denen die junge Frau öffentlich die Schwelle vom Mädchen zur heiratsfähigen Frau überschreitet. Die offen sichtbare Modifikation des Körpers, seien es Halsringe oder Gesichtstattoos, dienen sowohl als Signal innerhalb der Gruppe, „dazu zu gehören“, als 29_frauen-der-chin2 auch nach außen hin zur Abgrenzung von anderen Clans oder Stämmen.

Was auf den ersten Blick wie eine „Inbesitznahme der Frau durch den Mann“ erscheint – schließlich wird sie Außenseitern gegenüber „unzugänglich“ gemacht – ist, soziologisch gesehen, eine unter harten Lebensbedingungen unumgängliche Maßnahme zum Erhalt des Stammes. Könnten die Frauen der Gruppe einfach so losziehen und heiraten, wen sie wollten, wäre bald der Zusammenhalt und damit die Existenz der Stammesgemeinschaft gefährdet.

Die Frauen der Chin sahen (und sehen immer noch) den Brauch der Gesichtstattoos keineswegs als Strafe oder Einschränkung an. Auch sie suchen (vor allem unter äußerem Druck) die Geborgenheit der Gruppe und sind stolz auf ihre Tapferkeit 29_frauen-der-chin beim Erlangen des Schönheitsideales ihrer Stammesgruppe. 

Es fällt schwer, Abschied zu nehmen von den so freundlichen und schönen Chin, die eine kaum greifbare Aura von Stolz ausstrahlen. Sie haben sich trotz Unterdrückung und Bevormundung noch viel Unabhängigkeit bewahrt; Unabhängigkeit, die sich in ihren Gesichtern ablesen lässt!

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