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Was steckt hinter einem Gesichtstattoo? Teil VII – Stammesmänner

Geposted von: Lars Krutak, am 12 Januar 2010
34b_252In meinem letzten Post habe ich erzählt, wie Tätowierungen einen Krieger auf den Osterinseln in einen Raubvogelmann verwandelten. Dies ist ein fester Bestandteil ihrer Kultur, der auch an vielen anderen Orten der Welt zu finden ist, vor allem bei Stämmen die Kopfjagd betrieben und skalpierten. Heute beschreibe ich zwei weitere Beispiele für die Tätowierkultur der Kriegernationen.

Kalinga

Bei den Kalinga durften sich nur Krieger höchsten Ranges das Gesicht tätowieren lassen. Ein Mann musste mindestens fünf Menschen töten, um sich dieses Recht zu “verdienen”.Das Motiv wurde stets von Tausendfüßlern oder Python-Schuppen begleitet. Manchmal ähnelte die Zeichnung einem umgekehrten “L” über den Wangen, dass sich abwärts zum Kinn zog oder einem Diamanten, dessen Kanten an den Nasenflügeln begann und am Kinn zusammenliefen.Tausendfüßler und Pythons galten als “Freunde der Krieger”, die ihnen wichtige Zeichen auf dem Kriegspfad sendeten. Beide Kreaturen, so glaubte man, standen in Verbindung mit Kabunian, dem höchsten Gott der Kalinga. Er sah und wusste alles, was unter seinem himmlischen Thron vor sich ging. Je nach Zeichen (zum Beispiel wie ein Tausendfüßler oder eine Python den Weg des Kriegers kreuzte) rückten die Kriegsparteien vor, pausierten oder zogen sich zurück. Die Kalinga glaubten außerdem an viele andere Tier-Omen, darunter verschiedene Vogelarten.

Die Brusttattoos der Kalinga zeigten in abstrahierter Form die ausgebreiteten Schwingen des Adlers. Ihm versuchten sie nachzueifern, wenn sie sich auf ihre Feinde stürzten.
Mohawk
Die Tätowiertradition unter den Mohawk und anderen Stämmen der Irokesenliga (Oneida, Cayuga, 34a_252 Onondaga, Seneca und Tuscarora) wurde Anfang des 19. Jahrhunderts ausgelöscht – als Folge der christlichen Missionierung seit dem 17. Jahrhundert, weil viele Menschen durch Krankheiten aus Europa starben und weil die Stämme in Reservate zurückgedrängt wurden und das Kriegsbeil begruben. 
Für die Mohawk und andere Irokesen waren die Tätowierungen Kriegersymbole und nur Anführer und Häuptlinge, die Menschen getötet oder Feinde skalpiert hatten, verdienten sich das Recht, tätowiert zu werden. Über die Tätowierungen der Mohawk ist wenig bekannt, doch Dokumente von Missionaren und aus der Kolonialzeit belegen, dass die Gesichtstätowierungen verschiedene Funktionen hatten. Mit Gittermustern (kleinen VVVs und XXXs) wurde die Anzahl der Feindkontakte gezählt. Kleine schwarze Punkte standen für die feindlichen Skalps, die der Krieger errungen hatte. Querlinien oder große XXXs im Gesicht symbolisierten Kriegerlanzen und erzählten wahrscheinlich von einer mutigen Tat. Einige Männer trugen außerdem spirituelle Helfer, manitu genannt, an den Mundwinkeln, den Ohren oder anderen Gesichtspartien. Diese spirituellen Helfer (z.B. Vögel wie der Adler, Schlangen, Sonnensymbole u.v.m.) entstammten Träumen oder Visionen, die die jungen Männer im Laufe ihres Lebens erlebt hatten. Die Männer bereiteten sich auf ein “Treffen mit ihrem Manitu” vor, indem sie allein in die Wildnis zogen und mehrere Tage rituell fasteten, bis ihnen ihr Manitu erschien. Um den Manitu bei Laune zu halten musste der Krieger ihm ein Leben lang Tabak und manchmal auch Blut als rituelle Opfergaben darbringen.

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