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Travelingmic

13. Juli 10

Borneo Teil 6 Kopfjäger - Tattoos der Iban

Travelingmic-mit-den-letzte Dass die „kelingai“, die Tattoos der Männer vom Stamm der Iban in Borneo etwas mit ihrem Status als Krieger zu tun haben, erwähnte ich ja schon im letzten Blog. Bei fast allen ihren Tätowierungen geht es darum, ihre Abenteuer auf Reisen zu dokumentieren.
Daher gilt es zum Beispiel auch als feige, sich im eigenen Langhaus tätowieren zu lassen. So ein Tattoo ist bedeutungslos, da es ja eigentlich nichts aussagt, ausser dass man eben ein Bild auf der Haut gestochen hat.
Doch auch unter den echten „kelingai“ gibt es Unterschiede. Die allermeisten Designs können relativ willkürlich von jedem tätowiert werden, der in der Fremde Lust darauf hat. Doch es gibt eine kleine, aber enorm wichtige Ausnahme: Die „tegulun“; ein einfaches Streifen- und Zickzackmuster, das immer auf den Handrücken und die Finger geklöppelt wird. Dieses Tattoo ist mit einem strengen Tabu belegt, und darf NUR von Männern getragen werden, die den ultimativen Beitrag für die Ehre ihres Langhauses und ihres Clans geleistet haben:
Das „tegulun“ ist das Abzeichen des echten Kopfjägers!
Nur derjenige Iban Krieger darf es bekommen, der höchstselbst den Kopf eines Feindes abgeschnitten und zurück ins Langhaus gebracht hat.
Die Kopfjagd, seit Hunderten von Jahren wichtige rituelle Tradition zahlreicher Dayak Stämme, hatte Kopfjäger-Tattoo-tegulun-19 während des Zweiten Weltkriegs ihre Hochzeit erlebt, als viele Iban auf Seiten der alliierten Kräfte unter den Briten gegen die Besatzungsmacht der Japaner kämpften. So sind auch die allermeisten Schädel, die man heute noch in den Langhäusern der Iban findet, vermutlich ostasiatischen Ursprungs. In den Bürgerkriegen des frühen 1960er Jahren gab es noch einmal ein kurzes „Revival“ des grausigen Brauchs, der somit seit knapp 50 Jahren „aus der Mode gekommen“ ist. Daher ist es höchst selten, heute einen der betagten Iban Helden zu finden, der - immer noch mit unbändigem Stolz - die echten „tegulun“ trägt.
Nun komme aber niemand auf die Idee, sich derartige Tattoos stechen zu lassen, ohne die entsprechenden Taten vollbracht zu haben! Laut Erzählungen der Iban werden alle Männer, die unberechtigt „tegulun“ tragen, von schrecklichen Albträumen gequält und ein frühes Ende finden. Also Leute: Finger weg von Tattoos, die ihr euch nicht redlich verdient habt! ;-)

25. Juni 10

Borneo Teil 5 - Die Tattoos der Iban

Iban-Tätowierer-mit-ukir-re Kapit ist der letzte Aussenposten der Zivilisation im Dschungel von Sarawak in Borneo. Nach unserem Besuch in Rumah Bandong und dem unerwarteten Wiedersehen mit dem Tätowierer Bangkong sind wir zurück im Ort und stöbern über den Marktplatz.
Hier hat sich nicht viel geändert: Nach wie vor bringen jeden Morgen die Flussfischer ihre Beute und bieten sie zum Verkauf, während die alten Männer beim Tee zusammensitzen und über die Marktpreise für Gemüse und Pfeffer diskutieren.
Hier kann man herrlich studieren, welche Vielfalt die Symbolsprache der Tätowierungen bei den Iban angenommen hat. Praktisch jeder Mann, der älter als 60 Jahre ist, hat noch den letzten Bürgerkrieg im Dschungel von Borneo miterlebt, der Anfang der 1960er Jahre an der Grenze zwischen den entstehenden Staaten Malaysia und Indonesien wütete.

Beinahe alle haben mitgekämpft, und dabei im Einsatz nach alter Tradition die Tattoos der Iban erhalten, welche eine Art „Ehrenzeichen“ darstellen.

Die „bunga terong, die so genannte Borneoblume, gehört selbstverständlich dazu, fast immer auf beiden Schulterseiten tätowiert; und auch heute noch tausendfach in den Tattoo Studios rund um den Globus nachgestochen. Ursprünglich waren sie ein Zeichen dafür gewesen, dass der junge Iban in die Fremde hinausgezogen ist, um seine Abenteuer zu bestehen, sei es um auf Kopfjagd zu gehen, als Späher in der britischen Armee zu dienen, oder auf den Handelsschiffen der Welt zur See zu fahren.  Iban-Krieger-mit-ukir-rekon
Wer mit diesen Tätowierungen, meist von Stammesgenossen andernorts gestochen, ins Langhaus zurück kehrte, war ein Mann geworden, konnte heiraten und sich im Dorf niederlassen.
Ähnlich verhält es sich mit dem „ukir rekong“, dem „Kehlfrosch“, der zweiten Tätowierung, die es von Borneo aus zu Weltruhm gebracht hat. Er symbolisiert ein Tier (ein Frosch oder eine Echse zum Beispiel), die den Stamm eines Baumes emporklettert. Ein schmerzhaftes Unterfangen, sich stundenlang den Hämmern der Tätowierer auf der Kehle auszusetzen und daher Zeugnis besonderer Tapferkeit.
Unter den vielen verschiedenen Designs der Iban Tattoos gibt es aber ein einziges, äussert seltenes und mit schweren Tabus belegtes Motiv, das man heute praktisch nicht mehr sieht...
Nächste Woche erzähle ich mehr über die wahren Kopfjäger Tätowierungen der Iban Dayak!

22. Juni 10

Borneo Teil 4 - Rückkehr nach Bandong

Travelingmic-mit-Bangkong,- Die hölzerne Hängebrücke nach Rumah Bandong schwankt und ächzt unter dem Gewicht unserer Gruppe aus Tätowierern.
Mein Herz jubelt verhalten, denn der Blick über den Fluss enthüllt, dass das Iban Langhaus nach wie vor in seiner traditionellen Holzbauweise am gleichen Ort steht, unberührt von den Unbilden der Natur, seit weit über Hundert Jahren.
Der Sohn des Tuai Rumah, des „Bürgermeisters“ hat uns hierher geleitet, ein höflicher und gebildeter junger Mann, der ausgezeichnet englisch spricht. Vor zehn Jahren, bei meinem ersten Besuch hier, war er noch ein kleiner Bub gewesen.
Wir setzen uns zu ihm auf die Veranda und geniessen die ersten Schlucke Tuak, den teuflisch wirkenden Reiswein der Iban. Der Guide erzählt mir Beunruhigendes: „Ja, wir wollen das Haus abreissen, und ein stabiles aus Beton bauen. Auch die Brücke können wir bald ersetzen, die Regierung stellt eine moderne Konstruktion hin, über die man auch mit dem Auto fahren kann.
Mein Herz schmerzt bei dem Gedanken, aber so ist es nun mal: Ein Holzhaus sieht romantisch aus, aber es ist feucht in der Regenzeit, und ständig sind Reparaturen fällig. Wer will den Menschen hier den Fortschritt missgönnen. Wenn sie es wünschen, sollen sie ihn doch haben, oder? Tätowierer-Jeff-Ortega-mit-
Dennoch werde ich melancholisch: Bald sind vielleicht auch die Tattoos der Iban Vergangenheit. Wir sind von mehreren ehrwürdigen Grossvätern umringt, die sie noch tragen, die überlieferten Designs der Iban Krieger, aber werden sich auch noch junge Männer tätowieren lassen?
Während wir diskutieren, öffnet sich die Tür, und ein vom hohen Alter nur wenig gebeugter Mann schreitet herein... Mit einem breiten Grinsen kommt er auf mich zu und umarmt mich spontan.
Ah, du bist zurück gekommen. hat lange genug gedauert! Hast du die Fotos dabei? Willst du dich noch einmal tätowieren lassen? Kein Problem...
Es ist Bangkong, der Tätowierer der Iban, der Mann der mich 1999 auf meiner ersten Reise nach Borneo tätowiert hat. Ich hatte ihn längst bei seinen Ahnen vermutet.
Grau ist er geworden, aber er scherzt wie früher, und beginnt gleich mit den Tätowierern aus den USA und Europa einige Entwürfe für Tattoos zu skizzieren.
Für ein paar glückliche Stunden ist alles wie früher...

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